Geschlossene Pforten

Mittwoch, 11. August 2010

Das LeseBlog wird an dieser Stelle seine Pforten schließen. Es wird mir der Arbeit einfach zuviel, dieses zusätzliche Blog zu führen.
Alle, die gern hier gelesen haben, seien darauf hingewiesen, dass es das volle Programm weiterhin auf Ben Philipps Schreibwelt zu lesen gibt.



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Das Blatt

Montag, 2. August 2010


Sah eine Spinne auf dem Blatt,
mir schien, sie sei recht müd und matt,
so ging es ihr wie mir
vor diesem weißen Blatt Papier.



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Blogroman: 39 - Am Boden

Montag, 26. Juli 2010

Sie umklammerte Tsieg, hätte ihn erwürgt, wäre er nicht aus Holz gewesen. Sie tat es nicht mit böser Absicht, es war ihr nicht einmal bewusst. Ganz andere Gedanken schossen ihr durch den Kopf, doch Lisa konnte keinen von ihnen fassen. Dass sie Hilfe brauchte, war das Einzige, was ihr einigermaßen klar schien. Tom. Lars. Tom. Lars. Tom ... Sie hätte sich gewünscht, es wäre ihr nur ein Name in den Sinn gekommen. Aber irgendwie erschien ihr die Möglichkeit, sich mit dieser Katastrophe an Lars zu wenden, absurd. Was sollte er von ihr denken?

Sie sah sich um. Es kam überhaupt nicht in Frage, dass jemand glauben könnte, sie sei einfach nur schlampig. Jeder musste sehen, was hier passiert war. Und Lars erst recht. Schließlich hatte sie die Tür nicht aufgebrochen. Sie würde ihn anrufen. Sie brauchte seine Hilfe. Wo hatte sie ihre Handtasche abgelegt? Sie hielt Tsieg in der Hand, also konnte die Tasche nicht weit sein. Was wollte sie jetzt eigentlich mit der Holzfigur? Da war die Tasche ja.

Sie setzte sich auf. Schaute hinüber zu der Tasche. Im Sitzen konnte sie sie nicht erreichen. Sie musste wenigstens hinüberkriechen, wollte sie Lars erzählen, was man ihr angetan hatte. Wer hatte ihr das angetan? Wie konnte man so etwas tun? Sie sackte wieder in sich zusammen. Die Tränen liefen ihr über die Wangen. Was sollte Lars schon tun? Sie musste ohnehin die Polizei verständigen. Aber zuerst musste sie die Tür schließen. Nicht auszudenken, wenn sie jemand aus dem Haus so sehen würde: auf dem Fußboden des Flurs kauernd, gleich neben den herausgerissenen Schubladen ihrer Lieblingskommode. Doch mehr als einen tiefen Seufzer brachte sie nicht zustande. Sie betrachtete Tsieg. Wenn er ihr doch nur helfen könnte.



Was bisher geschah

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Der Schuppen

Freitag, 23. Juli 2010


"Den Schuppen kann ich Ihnen leider noch nicht zeigen."

Frau Lost schien eine aufgeräumte Person zu sein. Haus und Garten waren in bestem Zustand, wenn auch alles andere als modern. Auch der Schuppen war alt und wirkte ein wenig klapprig. Ich wusste nicht, was sie dort versteckte, aber es schien ihr peinlich zu sein. Im ersten Moment dachte ich, sie habe dort vielleicht allen möglichen Krempel zu einem Chaos gestapelt, von außen war davon aber nichts zu sehen. Im Gegenteil, der Schuppen wirkte vollkommen leer. Wie dem auch sei, ich wusste noch gar nicht, ob ich überhaupt Verwendung für ihn haben würde, liebäugelte eher mit einem moderneren Gartenhaus, in dem man es sich auch einmal gemütlich machen konnte. Und alles andere hatte mich so überzeugt, dass die Unterschrift unter den Kaufvertrag nur noch reine Formalität war.

Ich freute mich schon auf den Moment, in dem das Kistenschleppen endlich ein Ende haben würde. Ich wollte es so schnell wie möglich hinter mich bringen. Dennoch musste eine kleine Pause erlaubt sein. Ich stellte Lili ein Schälchen Milch in die Küche und wanderte anschließend ein bisschen durch meinen neuen Garten. Plötzlich stand ich vor dem Schuppen. Er sah nicht anders aus als an dem Tag, an dem Frau Lost mir den Zutritt verwehrt hatte. Ich spürte eine leichte Erregung, fühlte mich wie ein Kind, das gegen die Auflagen der Erwachsenen verstieß, als ich hineinging. Er war vollkommen leer, der Boden wie ausgefegt, und weder an den Wänden noch an der Decke konnte ich auch nur die Spur eines Spinnennetzes finden. Das kindliche Gefühl verschwand so schnell, wie es gekommen war. Beinahe etwas enttäuscht konstatierte ich, dass hier genug Platz für Gartengeräte und mehr war. Bis ich mir ein richtiges Gartenhäuschen zulegen würde, konnte mir der Schuppen gute Dienste tun.

Ich schmunzelte, als ich den der frisch erstandenen Rasenmäher in dem ansonsten noch völlig leeren Schuppen betrachtete. "Ein bisschen einsam, was? Mach dir keine Sorgen, du bist nicht mehr lange allein. Ich komme gleich zurück, dann seid ihr schon zwei."

Lachend ging ich zum Wagen, wo Rasenmähers neuer Freund Rasentrimmer darauf wartete, von mir in den Schuppen getragen zu werden. Wieder dort angekommen, war es mit meiner guten Laune vorbei. Der Rasenmäher war verschwunden. Nichts deutete darauf hin, dass er jemals hier gestanden hatte. Drehte ich jetzt vollkommen durch? Ich stellte den Trimmer ab und ging hinaus. Ratlos ließ ich meinen Blick über das Grundstück schweifen. So unmöglich das gewesen wäre, ich hätte mich letztlich damit zufrieden gegeben, wenn ich den Mäher irgendwo hier hätte rumstehen sehen. Natürlich war dem nicht so. Wieder ging ich in den Schuppen. Nun war auch der Rasentrimmer weg.

Aus irgendeinem Grund, den ich mir selbst nicht erklären konnte, ließ ich den Schuppen stehen. Nach einigen weiteren Versuchen begnügte ich mich damit, einfach nichts in ihn hineinzustellen, das seltsame Häuschen ansonsten vollkommen zu ignorieren. Im Verdrängen war ich schon immer gut gewesen, wenn ich auch sicher nie gedacht hätte, dass es mir in einer solchen Angelegenheit so gut gelingen würde. Aber es endete an dem Tag, als Lili plötzlich wie vom Erdboden verschluckt war. Zum ersten Mal, seit die freundliche Katze bei mir ein Zuhause gefunden hatte, erschien sie nicht pünktlich zu den Mahlzeiten. Sie erschien überhaupt nicht. Schnell ahnte ich, wer dafür verantwortlich war.

Es musste etwas geschehen. Das hatte ich auch Robert am Telefon gesagt. Wie nicht anders zu erwarten, klingelte es so schnell an der Tür, dass man beinah glauben musste, mein Ex-Mann hätte bereits ganz in der Nähe darauf gewartet, dass ich ihm endlich verzeihe.
"Du musst mir helfen!", sagte ich, weniger mit Nachdruck als mit einem liebevollen Unterton.
Robert hatte sich mein Problemchen mit leuchtenden Augen angehört. "Keine Sorge, Schatz. Hab ich dir nicht gesagt, du würdest mich noch brauchen, Marie?"
Ich nickte ergeben. Ein Augenaufschlag deutete an, ich würde ihn auch weiterhin brauchen, nicht nur in Sachen Reparaturarbeiten.
"Wo hast du das Werkzeug?"
"Im Schuppen", antwortete ich und zeigte auf das unscheinbare Gebäude, das mir nun zum ersten Mal wirklich nützlich werden sollte.




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Blogroman: 38 - Vertrauen und Versprechen

Montag, 12. Juli 2010

Tom hörte weitere Schüsse, gedämpft jetzt. Jemand packte ihn am Arm. Er wehrte sich, riss sich los.
"Wir müssen hier raus!"
Der Befehl war kurz und knapp. Tom erkannte die Stimme. "Was ist mit dem Jungen?"
"Wir können ihm nicht mehr helfen!" Mona klang auf einmal ganz sanft, beinah traurig.
Tom gab den Widerstand auf. Zum ersten Mal glaubte er der Agentin, fasste Vertrauen zu ihr. Einmal noch schaute er in das Gesicht des Jungen, dessen Tod er nicht hatte verhindern können. Dessen Tod er sogar herbeigeführt hatte. "Ich werde es wieder gut machen", flüsterte er unter Tränen. Dann ließ er sich von Mona hinausziehen.



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Der Feuerwald - Teil 2

Montag, 5. Juli 2010


Teil 1 verpasst? Hier entlang!

Wie es sein eigener Plan vorsah, tat Sven aufs Heftigste erschrocken, was ihm bei diesem Anblick in keinster Weise schwerfiel.

„Welcher Narr wagt es, mich in meiner Ruhe zu stören?“, donnerte Dragen, derweil ihm der flammende Speichel von den monumentalen Eckzähnen tropfte.
„Oh, verzeiht, Herr Drache“, antwortete Sven und versuchte sich vorzustellen, er spräche mir seinem Nachbarn, Herrn Grimm, was ihm seltsamerweise erstaunlich gut gelang. „Ich wusste nicht, dass dies hier Eure Ruhestätte ist. Glaubt mir, es lag mir fern, Euch zu stören, bestenfalls wollte ich Euch warnen.“
„Mich warnen?“ Die Bestie lachte derartig, dass sie beinahe an den Lavaströmen aus ihren Nüstern erstickt wäre.
Das konnte Sven nur recht sein. Ein bisschen gute Laune konnte auch bei einem Drachen nicht schaden. Als Dragen den Hustenanfall überlebt hatte und Sven sicher war, dass sein Stimmchen wieder an die Ohren des Ungeheuers dringen konnte – sofern bei einem Drachen so etwas wie Ohren existieren – entgegnete er: „Natürlich, Ihr habt recht. Welche Gefahr könnte es schon geben, vor der ich Euch warnen müsste. So beachtet mich nicht weiter und lasst mich ziehen. Schließlich müsst Ihr Euch auf die wirklich großen Kämpfe vorbereiten.“ Damit wandte er sich zum Gehen.
„Halt, Bürschchen! Von welchen Kämpfen redest du?“ Dragen Fiur richtete sich weiter auf und seine Brust kam zum Vorschein, auf der eine Jugendmannschaft bequem ein Fußballspielchen hätte abhalten können, im ausgekühlten Zustand versteht sich.
„Oh, Ihr werdet leichtes Spiel mit ihnen haben, denn sie sind sicher einen Kopf kleiner als Ihr. Die meisten jedenfalls.“
Dragen Fiur schnaubte überrascht. „Die meisten? Wie viele sind es denn?“
„Ich bin klein, Herr Drache. Ich traute mich nicht, so lange in ihrer Nähe zu bleiben, dass ich sie zählen konnte. Aber ich denke, es werden kaum mehr als zehn sein. Und sie scheinen Euch sehr zu fürchten, denn sie kämpfen statt mit Euch mit den Pflanzen Eures Waldes. Sie haben schon einen guten Teil vernichtet.“ Sven bemerkte zu spät, dass er vielleicht zu weit gegangen war. Einerseits wollte er das Ungetüm von seinem Platz hinfort locken und fürchtete, ihm möglicherweise mit der Anzahl der Gegner Angst einzujagen, andererseits fiel ihm ein, dass der Drache mit seinem Wald eng verbunden war. Vermutlich würde er es spüren, wenn jemand eine derartige Verwüstung unter seinen Feuerpflanzen anrichten würde.

Tatsächlich blickte ihn Dragen misstrauisch an. Dann schüttelte er sich. „Ich fühle mich wirklich ein bisschen schwächer als sonst.“
Sven lächelte. Einbildung ist auch eine Bildung, sagte er sich. Doch das Lächeln verging ihm, als das Ungeheuer zu brüllen begann. „Dem muss sofort Einhalt geboten werden! Wo finde ich diese Wüstlinge?“ Das Ungetüm stemmte sich aus dem See und wuchs dabei zu einer Größe heran, die selbst der mächtige Schädel Dragens nicht hatte vermuten lassen.
„Nun, wenn Ihr mir versprecht, mich vor den Eindringlingen zu beschützen, werde ich Euch zu ihnen führen.“

Dragen Fiur war einverstanden und so ging Svens Plan auf und er selbst voraus, während der Feuerdrache ihm hinterherstampfte. Zufrieden mit sich selbst suchte Sven möglichst viel Zeit zu schinden und den Herrscher des Feuerwalds dabei so weit wie möglich vom See wegzuführen, damit Lesan und Hold gefahrlos aus den Heißen Wassern schöpfen konnten, um Zoupar weiterhin die Energie für den Schutz Wanaheils zu liefern.

Die Aufregung hatte ihn fast vergessen lassen, wo er sich befand, doch schon bald spürte er seine Umgebung wieder und die Hitze, verstärkt durch die Anwesenheit seines unangenehmen Begleiters, drängte alle anderen Gedanken und Wahrnehmungen zurück. Er war am Ende seiner Kräfte und getraute sich dennoch nicht, jetzt schon sein eigenes Leben zu retten. Doch mehr und mehr fürchtete er, sein Hinhalten könne in Dragen wieder das Misstrauen wecken.

Tatsächlich blieb dieser plötzlich stehen und fauchte, dass die Funken stoben. „Jetzt spüre ich es ganz deutlich! Jemand stiehlt mir meine Lebenssäfte!“
Da wusste Sven, dass Lesan und ihr Ritter das Reich des Drachen verlassen hatten. „Seht Ihr!“, rief er. „Die Räuber müssen ganz in der Nähe sein.“ Er mühte sich, am ganzen Körper möglichst auffällig zu schlottern, was ihm angesichts der Temperaturen höchst unpassend schien. „Ich bin kein Held und fürchte mich, ihnen näher zu kommen. Doch wenn ihr nur ein Stück weiter in diese Richtung geht, könnt ihr sie nicht verfehlen.“
In unübersehbarerer Erregung und ohne ein Dankeswort stürmte Dragen Fiur an ihm vorbei, eine Spur der Verbrennung in einem verbrannten Land hinter sich lassend. Sven dagegen beeilte sich, davonzukommen. Er hatte den Drachen nah an der Rand seines Machtbereichs geführt und brauchte nur noch wenige Meter hinter sich zu bringen, um aus dem Feuerwald zu treten. Dennoch hielt er nicht inne, bis er den Abstand um ein Vielfaches vergrößert und die Hitze deutlich nachgelassen hatte.

Nun fühlte er sich in Sicherheit, denn Dragen konnte außerhalb seines Waldes nicht überleben. Noch immer sah er die wütende Kreatur nahe des Waldrands toben, auf der Suche nach den erfundenen Gegnern.

Sven befand sich nun fast auf der gegenüberliegenden Seite des Feuerwalds und wusste noch einen weiten Weg vor sich, bis er den Treffpunkt erreichte. Dort aber sähe er Lesan wieder, hoffend, ihre Dankbarkeit für seine Taten würde endlich in größere Gefühle umschlagen.




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